Dabei bin ich eigentlich ein echter Cyber-Dog ...
Wo
haben Sie Ihren Hund her? Aus der Zeitung? Einem Tierheim? Von Freunden,
Bekannten? Wir haben unsere Kashka aus dem Internet! Aber von vorne:
Der
Wunsch, wieder einen Hund zu haben, bestand schon ziemlich lange. Aber wir haben
gezögert: Haben wir auch genug Zeit? Können wir dem Tier gerecht werden? Was
mit unseren heißgeliebten Irland-Urlauben?
Am
Anfang also mehr Fragen als Antworten! Dann sind wir erst mal umgezogen und
haben die Wohnung renoviert, und, ganz ehrlich: In dieser Zeit hat mir mein
Bildschirmschoner-Hund (der auch gefüttert, gebürstet und „bespielt“
werden will) vollauf gereicht. Aber eigentlich sollte es doch ein ECHTER werden!
Unser
nächster Schritt: Wir haben uns um einen Gasthund beworben, einen 4-jährigen
Husky namens Chinook, der bei
meiner Schwester Kathrin und ihrem Freund Benni residiert. Chinook nach seinen
Besuchen bei uns wieder her zu geben, fiel uns immer schwerer – er ist ein
unglaublich freundlicher und geduldiger Husky, mit dem wir viel Spaß hatten.
Chinook kann herrlich heulen und „singt“ die Tonlagen nach, die man ihm
vorsingt. Nachdem er entdeckt hatte, daß es im Treppenhaus wunderbar hallt, hat
er uns immer mit seinem Gesang begrüßt und verabschiedet – genial!
Chinook
hat uns überzeugt: Ein Husky sollte es sein! Und dann ging die Suche los...
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Sommer 1999 |
Winter 2006 |
Benni
und Kathi zeigten sich sehr kreativ und brachten uns mit Leuten zusammen, die
ihren „Husky“ gerne abgeben wollten. „Alex“ hatte allerdings wenig mit
einem Husky gemein, sondern stellte sich als ausgewachsenes Malamute heraus,
fast doppelt so groß wie Chinook (der so eine Art Größenmaßstab für uns
war) und mindestens doppelt so schwer. Mehr Alexander der Große als Alex. Nach
einem gemeinsamen Spaziergang waren wir uns sicher, daß weder Alex mit uns noch
wir mit ihm sehr glücklich werden würden. (Wenig später hat Alex aber ein
neues Zuhause gefunden, wo er sich richtig wohl fühlt.) Die weitere Suche führte
uns zu einem Welpen; aber bei gründlicher Überlegung haben wir uns keine
Welpentauglichkeit attestiert. Also weiter der brennende Wunsch, aber kein Husky
in Sicht.
Was
tun? Ich lag allen die es hören wollten und auch denen, die es nicht so gerne hören
wollten in den Ohren mit unserem Husky-Wunsch. Unter anderem auch einer Freundin
aus Nürnberg, die ich bei einem gemeinsamen Internet-Projekt erst online und
dann „live“ kennengelernt hatte. Und die erzählte mir dann von einer
Fernsehsendung im WDR, bei der auch „jemand“ von „so einem
Husky-Tierheim“ „irgendwo im Schwarzwald“
war, und daß dieses Tierheim auch „irgendwo“ im Internet eine
Homepage haben sollte. Gesucht – gefunden! Und da waren dann viele, viele
Husky-Bilder. Diese Homepage hat mich dann einen knappen Tag vom Arbeiten
abgehalten und ich saß abends „etwas“ länger im Büro – schließlich „mußte“
ich jede Geschichte genauestens lesen. Die Ernüchterung kam dann am Ende der
Site: Die letzte Aktualisierung war vor gut einem halben Jahr erfolgt, die Hunde
also mutmaßlich, hoffentlich, alle vermittelt. Gleichzeitig war weit und breit
keine Email-Adresse zu finden – also blieb der Weg über ein Fax. Auch gut.
Unser Favorit war natürlich schon vermittelt, aber es waren neue Hunde da. Wir
haben so eine Art Bewerbungsfax geschrieben, zumindest kams mir so vor. Wie
macht man wildfremden Menschen klar, daß man sich zu einem Husky berufen fühlt
und sich auch noch –bei aller Bescheidenheit- dafür geeignet hält? Zumindest
haben wir Günter und Moni nicht restlos verschreckt: Im Gegenteil, es kam nach
einem ersten Telefongespräch eine Email, in der uns Nina vorgestellt wurde,
eine bildhübsche Hundedame mit nicht ganz unproblematischer Vorgeschichte.
Für den folgenden Sonntag haben wir vereinbart, daß wir nach
Freudenstadt fahren würden, um Nina kennen zu lernen. In den folgenden Tagen
haben wir restlos begeistert jedem Ninas „Steckbrief“ unter die Nase
gehalten – und haben damit nur blankes Entsetzen geerntet: „Ein Hund, der
schon gerissen hat?“ „Ein Hund, den man nicht frei laufen lassen kann?“
– um nur mal die harmlosen Kommentare zu erwähnen. Das hat uns dann zunehmend
verunsichert und schließlich waren wir so verwirrt, daß wir versucht haben,
noch mal bei den Schwartzes anzurufen, um herauszufinden, ob unser Besuch überhaupt
Sinn macht. Nachdem wir aber niemanden erreichen konnten, haben wir per Fax
unseren Besuch abgesagt – bei 900 km für Hin- und Rückweg sollte man schon
von seinem Vorhaben überzeugt sein.
Aber
nach einem weiteren Telefongespräch haben uns Moni und Günter überzeugt, daß
wir Nina eine Chance geben. Also haben wir uns mit Kathrin, Benni und Chinook
ins Auto gepackt und sind nach Freudenstadt gefahren. Nachdem wir mit Kaffe
versorgt worden waren, kam Iris mit Nina, und wir sind zu einem kleinen
Spaziergang aufgebrochen. Ums kurz zu machen: Wir sind mit Nina nicht warm
geworden. Ich fand das sehr beeindruckend, wie ruhig die Reaktion darauf war –
ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen und trotzdem das Gefühl, das
richtige zu tun. Wir haben dann Photos gewälzt, einen Stapel nach dem anderen.
Lauter nette Huskies drauf, aber keiner, bei dem der Funke sofort übergesprungen
wäre. Nachdem wir alle Photos angeschaut hatten, haben wir uns darauf verständigt,
daß wir in Kontakt bleiben und per Email über Neuzugänge informiert werden.
Dann sind wir raus, haben die Schuhe wieder angezogen und hatten ein ziemlich
doofes Gefühl im Bauch. Wir waren fast zur Tür draußen, hatten uns schon
verabschiedet, als Iris noch mal mit einem Photo in der Hand; DIE sei zwar noch
gar nicht da, würde aber in den nächsten zwei Wochen nach Freudenstadt kommen.
Wir haben das Photo angeschaut, haben uns angeschaut und wußten: DIE ist es!
Das Photo zeigte eine schwarz-weiß gefleckte Husky-Hündin, die gerade aus
einem Teich trinkt. Das klingt ja nicht besonders berauschend, aber Sheila, das
war damals ihr Name, hat ein so spitzbübisches und freundliches Gesicht und –
Charisma.

Die
nächsten zwei Wochen waren endlos lang für uns und wir haben die Zeit damit
verbracht, die Wohnung für Sheila einzurichten: Ein großer Korb ist bei uns
eingezogen und Flauschdecken, Spielzeug, Leckerlis...
Eine
Woche nach Ostern war es dann endlich so weit: Endlich wieder nach FREUDEN-Stadt!
Da
lag sie auf der Couch zusammen geringelt und wir waren einfach nur hingerissen.
Geduldig hat sie sich von uns bewundern und streicheln lassen. Ich muß zugeben:
Sheila war nicht ganz so angetan von uns wie wir von ihr – sie hat sich bei
Moni und Günter offenbar sehr wohl gefühlt und sah wohl überhaupt keine
Veranlassung, da wieder weg zu gehen. Trotzdem hat sie sich zum Auto bringen
lassen und hat sich nach kurzem Zögern auch bereit erklärt einzusteigen. Wir
waren so gekommen, daß wir bei Nacht heimfahren würden, damit es für Sheila
leichter würde. Wenn ich jetzt zurück denke, sind wir in ziemlich absurder
Formation zurück nach München gefahren: Kashka auf der Ladefläche/im
„Kofferraum“, Martin auf dem Rücksitz, den Arm im „Kofferraum“, ich am
Steuer – also auf drei „Etappen“ verteilt. Aber wir wollten ihr einerseits
nicht gleich auf ihren schwarz-weiß gefleckten Pelz rücken, andererseits
ihr ein Gefühl von Nähe vermitteln. Nachdem uns der Name Sheila nicht
so gefiel, haben wir während der ganzen Fahrt über Namen gegrübelt und uns
schließlich auf Kashka geeinigt. Die Meinungen, was „Kashka“ bedeutet,
gehen dabei ziemlich auseinander – der Begriff „Kashka“ kommt offenbar in
so ziemlich jeder slawischen Sprache vor. Wir haben uns für die ukrainische
Bedeutung des Namens entschieden: Wiesenklee. In München angekommen haben wir
als erstes eine Runde um den Stock gedreht, für ein erstes Beschnuppern der
neuen Umgebung. Kashka fand das alles ganz interessant, war aber von den
Aufregungen des Tages auch ziemlich erschöpft. Wir haben sie durch die Wohnung
begleitet und sie hat alles inspiziert, vor allem aber darauf geachtet, daß sie
den Kontakt zu uns nicht verliert. Schließlich sind wir ins Bett gegangen –
und Kashka wollte mit. Moni hatte uns schon gesagt, daß Kashka bei ihrer
Vorbesitzerin im Bett schlafen durfte – und wir hatten uns darauf geeinigt, daß
das bei uns nicht in Frage käme. Ich kam mir schrecklich gemein vor, ihr das
jetzt in dieser Situation zu verweigern, aber wie hätte ich ihr das jemals
wieder verbieten können, wenn ich es ihr zunächst erlaubt hätte? Wir haben
ihr dann wenigstens den Korb ganz nahe ans Bett gestellt, aber den wollte sie
nicht. Also das Kissen aus dem Korb, den Korb zur Seite und das Kissen gaaanz
nahe ans Bett. Darauf hat sie sich dann zusammen gerollt. Und wir haben uns bäuchlings
quer aufs Bett gelegt und haben sie vorsichtig gestreichelt und gekrault, bis
sie einschlief.
Anfangs schien uns Kashka ein sehr ruhiger Hund zu sein. Sie hatte immer
diesen Schlafzimmerblick, mit halb hängendem Kopf und halb geschlossenen Augen
nach oben blickend, irgendwie zwischen melancholisch und depressiv. Wir haben
versucht, ihr den Einstieg bei uns möglichst leicht zu machen. Ihre
Vorbesitzerin hatte ihr sogar noch ihr gewohntes Futter mitgegeben, um ihr den
Übergang leichter zu machen – aber Kashka hat sich geweigert, das Futter auch
nur anzurühren. Wir haben ihr dann anderes Futter angeboten, und eine Weile
gebraucht herauszufinden, was sie mag. Martin, immer besorgt seiner Kashka nur
das beste zu geben, hat die Rolle des Vorkosters übernommen. Das ist wahrlich
nicht jedermanns Sache und ich muß zugeben: So sehr ich Kashka liebe, DAS würde
ich nur sehr ungern tun. Martin aber probierte und probiert sich tatsächlich
durch sämtliche Sorten von Pedigree Pal, Royal Canin, Eukanuba, Hill’s
Science Plan und läßt auch die Leckerlis nicht aus – das einzige, was er
sich weigert zu probieren, sind Kashkas heiß geliebte Rinder-Rollies.
Kashka ist immer noch völlig perplex, wenn eine IHRER Packungen geöffnet
wird, und Martin das erste Stück in den Mund schiebt. Nachdem Kashka sich ein
wenig eingelebt hatte, durfte sie Chinook kennenlernen. Wir haben uns zum
Spazierengehen getroffen und das hat alles wunderbar geklappt. Ein bißchen
anders sah das dann aus, als wir unsere Wohnung angesteuert haben: Jeder der
beiden war der Ansicht, das sei SEINE Wohnung. Auf dem langen Gang zu unserer
Wohnung wurden die beiden immer schneller und haben versucht, sich gegenseitig
abzudrängen – Bodycheck nennt man das im Rugby wohl... Chinook hat (dank
seiner größeren Masse) zwar das Rennen gewonnen, aber Kashka durfte trotzdem
zuerst in die Wohnung und war gleich ganz Hausherrin, die dem Gast durchaus
deutlich gezeigt hat, was er zu tun und zu lassen hat. Vor allem über die
Streicheleinheiten hat sie mit Argusaugen gewacht... Aber das Verhältnis der
beiden hat sich inzwischen entspannt und Kashka akzeptiert jetzt Chinooks
Besuche.

Trotzdem haben wir das Gefühl, daß sie immer wieder froh ist, wenn er wieder
gegangen ist; sie entspannt sich dann sichtlich. Wie gesagt, anfangs dachten
wir, wir hätten einen ruhigen, bißchen schüchternen Hund bei uns aufgenommen.
Das hat sich im Laufe der letzten Wochen und Monaten als ziemlicher Irrtum
herausgestellt: Sie hat sich von Woche zu Woche mehr gelockert und hat sich zu
einem neugierigen, verspielten, zutraulichen und lebensfrohen Hund
entwickelt. Ist sie anfangs noch eng neben uns hergezuckelt, rast sie
jetzt im gestreckten Galopp über Wiesen und springt känguruhartig durch hohes
Gras. Wir waren die ersten Monate ausschließlich mit der Flexi-Leine mit Kashka
unterwegs, inzwischen darf sie aber auf ausgewählten Wiesen ohne Leine laufen.
Ganz besonders eignet sich dafür die von uns getaufte „Hunde-Wiese“ hinter
dem Nymphenburger Schloßpark. Da sind riesige Wiesenflächen, drumherum
teilweise ein kleiner Wald oder zumindest Bäume, die die Wiesen von den
Zuggleisen abschirmen. Auf der anderen Seite schirmt die Schloßmauer die Wiesen
ab und der Schloßkanal erlaubt nicht nur einen kühlen Schluck, sondern bietet
für Hunde, die Wasser lieber mögen als Kashka, auch „Badewannen“. Mit der
Hunde-Wiese fast untrennbar verbunden sind Hobbit, Tibboh und Alina, die drei
Border Collies meiner Cousine Maria. Kashka liebt es, mit denen zusammen
spazieren zu gehen und über die Wiesen zu toben. Wenn die drei mal keine Lust
haben mit ihr um die Wette zu laufen, stupst sie so lange in die Seite, bis
weniger einer mit ihr läuft. Eine andere Spezialität: Wenn ein Hund meint,
eine Pause machen zu müssen und sich mal in der Wiese lang macht, nimmt sie
Anlauf und springt im Tiefflug über den „Langweiler“. Am allerliebsten ist
es ihr, wenn der andere sich gestört fühlt und ihr hinterher rennt – dann
hat sie ihr Ziel erreicht. Besonders schön waren die Spaziergänge während der
Löwenzahn-Zeit: Kashka und die anderen drei haben sich mit Wonne in den gelben
Blüten gewälzt – und alle ehemals weißen Fellanteilen waren quittengelb. In
der Zeit haben wir immer behauptet, das sei kein Schlitten-Hund, sondern ein
Riksha-Hund. Überhaupt kommt Kashka gerne bunt von den Spaziergängen zurück:
Nach ausgiebigem Wälzen in Schafs- oder Entensch... trägt sie grün, nach Löwenzahn
gelb, nach ausgedehntem Mausloch-Umgraben braun bis schwarz... Als uns der
Geruch nach einem Schafsmist-Vollbad das Atmen unmöglich machte, haben wir sie
in die Dusche befördert und die schlimmsten Stellen vorsichtig abgeduscht –
das fand sie kein bißchen lustig.
Wasser ist nicht ihr Ding! Es
ist unglaublich, zu welchen Verrenkungen sie fähig ist, nur um aus einem Bach
oder See zu trinken ohne sich die Pfoten naß zu machen – was sage ich NASS zu
machen, sie benetzt die Pfoten nicht mal mit Wasser! Manchmal scheint sie da
wirklich die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft zu setzen: Es wird mir immer
ein Rätsel bleiben, wie ein doch 17 kg schwerer Hund alle vier Pfoten auf einer
5-Mark-Stück großen Fläche unterbringen kann, den Kopf ganz nach vorne zu
schieben und dann zu trinken, ohne daß sie kopfüber in das jeweilige Gewässer
fällt.

Gemeinerweise liegt die
Hundewiese am anderen Ende der Stadt, d.h., es ist immer mit Autofahren
verbunden, wenn wir da hin wollen – und wir wollen oft! An heißen Tagen haben
wir dann immer die Expeditionsausrüstung dabei: Schüssel und viiiel Wasser,
und wenn es ganz übel ist, noch eine Thermoskanne mit Eiswürfeln, damit das
Wasser nicht so fad schmeckt. Nach einem der Spaziergänge war noch ziemlich
viel Wasser übrig, und Kashka hatte keinen Durst mehr. Nachdem es an dem Tag so
schwül war, dachte ich, ich würde ihr die Heimfahrt erleichtern, wenn ich ihr
das restliche Wasser auf dem Fell verteile. Dachte ICH! Kashka hat das nicht
gefallen und hat es auf ihre besondere Weise gezeigt: Kaum war das Wasser auf
Kashka verteilt, ist sie auf den Fahrersitz gesprungen und hat sich 5 Minuten
lang nur geschüttelt...
Mit
dem Autofahren war das anfangs so ein Thema: In den ersten Tagen hieß für
Kashka die Formel „Auto = Umzug“ und darauf hat sie überhaupt keinen Wert
gelegt. Aber inzwischen fährt sie geduldig überall hin mit – meistens heißt
ja Autofahren, daß lange Spaziergänge folgen. Schon lange vor Kashka hatte ich
so schwarz-weiß-gefleckte „Kuh“-„Fell“-Schonbezüge, aber richtig zur
Geltung kommen sie erst, wenn Kashka drauf sitzt und damit chamäleonartig auf
dem Sitz „verschwindet“. Natürlich wurden wir schon prompt darauf
angesprochen, wie viele Huskies wir schon für die Schonbezüge aufgearbeitet
haben, aber das finden nur Nichthundebesitzer richtig komisch. Insgesamt findet
uns Kashka wohl ziemlich anstrengend: Wir gehen spät ins Bett und stehen früh
auf und Kashka ist ein echter Morgenmuffel. Die ersten Wochen ist sie immer mit
dem letzten ins Bett gegangen und mit dem ersten aufgestanden – und da lagen
teilweise nur sehr wenige Stunden dazwischen. Als sie begriffen hat, daß ihr
immer zumindest ein Mensch erhalten bleibt, hat sie sich auch entspannt. Obwohl
sie jetzt meistens VOR uns ins Bett geht, ist das Aufstehen in der Früh immer
seeehr schwierig und mit hopplahopp und schnellschnell geht da gar nichts. Natürlich
hat Kashka auch ein Geschirr, das wir ihr aber abends immer ausziehen, um ihr
das Liegen so bequem wie möglich zu machen.
Bei
den Spaziergängen mit Hobbit, Tibboh und Alina schaut sich Kashka auch immer
wieder nicht gerade husky-typische Sachen ab. Ihre neueste Errungenschaft in
diese Richtung ist, daß sie angefangen hat, Stöckchen zu abortieren. Zuerst
konnte ich es kaum glauben, als sie mir einen recht ansehnlichen Stock vor die Füße
gelegt hat und gespannt darauf gewartet hat, daß ich ihr den Stock werfe. Natürlich
hab ich da gerne mitgespielt, aber sie behält sich vor, selbst zu entscheiden,
ob und wie lange sie so spielen will. Aber wenn sie dazu aufgelegt ist, macht es
ihr riesigen Spaß und sie sieht aus als würde sie grinsen, wenn sie auf den nächsten
Wurf wartet.
Egal
wo man mit ihr hinkommt, sie wird immer bewundert und bestaunt. Den Husky trauen
ihr viele nicht zu, sondern interpretieren alle möglichen Rassen in sie hinein.
Letztlich ist es ihr und uns egal, ob jemand glaubt, daß sie ein „echter“
Husky ist oder nicht, aber wir hatten schon sehr lustige Begegnungen. Als sie
noch recht neu bei uns war, haben wir auf einem unserer Spaziergänge einen Mann
getroffen, der auch Kashkas Schönheit und ihre besondere Zeichnung bewunderte.
Bei diesem Spaziergang hatten wir schon sehr oft die Frage nach Kashkas Rasse
beantwortet, und wir hatten bereits mit dem Gedanken gespielt, uns T-Shirts mit
der Aufschrift „DOCH, das ist ein Husky“ anzufertigen. Als da dann der nächste
nach Kashkas Rasse fragte, habe ich kühn behauptet, daß es sich bei Kashka um
einen Holstein-Husky handele, einen sogenannten Holsky. Kurzes Zögern bei
meinem Gegenüber, dann im Brustton der Überzeugung: „Ahja, kenn ich!“
Erstaunlich, haben wir uns gedacht, wirklich erstaunlich – und haben uns prächtig
amüsiert. Aber auch die Unwissenden, die noch nie was von den seltenen „Holskies“
gehört haben, sind begeistert von dem wunderschönen Hund –
Auch
den Tierarzt trägt sie Fassung; Gott sei Dank war es auch noch nie richtig
ernst. Nachdem die Vorbesitzerin Kashka
vor der Abgabe noch hat kastrieren lassen, waren wir mit ihr beim Fädenziehen.
Sie fand das nicht richtig lustig, hat es aber tapfer ertragen. Und dann mußte
sie noch zwei Mal zusammen mit Chinook beim Impfen gegen Boreliose. Nachdem wir
auf den Impfstoff fast drei Wochen warten mußten, haben wir uns
zwischenzeitlich mit ExSpot beholfen. Wir waren für jeden hellen Fleck in
Kashkas Fell dankbar, weil man da die Zecken leichter gesehen hat. Insgesamt hat
sie aber auch ein sehr pflegefreundliches Fell, nicht nur in Bezug auf Zecken,
sondern auch was Nässe und Schmutz angeht. Gebürstet zu werden hat sie anfangs
völlig abgelehnt, aber seit wir 50% bürsten mit 50% streicheln kombiniert
haben, läßt sie es mit wenig Begeisterung über sich ergehen.
Wir
dürfen jeden Tag etwas von und mit Kashka lernen, und wir versuchen zu
verstehen, was sie uns sagen will. Eine der einfachsten Übungen war die vom
Korb: Kashka hat sich ein einziges Mal da rein gelegt, wie um ihren guten Willen
zu beweisen. Der Korb war also nicht erwünscht und wir haben ihn durch ein
riesiges Kissen fürs Schlafzimmer und diverse Flauschdecken in den anderen
Zimmern ersetzt. Martin hat in seinem Arbeitszimmer die Schreibtischplatte zur
Wand hin verlängert, so daß darunter eine „Hütte“ für Kashka entstanden
ist. Wir haben ihr diese Höhle auch mit Decken und Kissen ausstaffiert und wenn
Martin in seinem Zimmer arbeitet, ist das ihr Lieblingsplatz. Es ist ihr immer
noch sehr wichtig, daß sie nicht alleine in einem Raum ist. Nur ins Bett geht
sie manchmal vor uns, wenn die Tür offen steht und sie zumindest einen von uns
noch ein bißchen im Blickfeld haben kann. Und in der Früh steht sie erst auf,
wenn wir gefrühstückt haben und wirklich nicht mehr ins Bett kommen – in der
Früh zählt jede Minute Schlaf! Auch den ihr ursprünglich zugedachten
Futterplatz hat sie abgelehnt: Praktisch wäre der in der Küche gewesen, aber
die Dame wünschen Raum. Die Küche war ihr offenbar zu schluchtenartig und so
haben wir ihre Näpfe in den Gang umgezogen. Das ist zwar für uns nicht
wirklich ideal, aber Kashka liebt das so und wer könnte da noch irgendwelche
rationalen Argumente dagegen auffahren?
Ein
beliebtes Ziel für die erste Morgenrunde ist der „Hasen-Park“, der seinen
Namen seinen zahllosen Bewohnern verdankt. Kashka fand das anfangs sehr
spannend, inzwischen ignoriert sie die Hasen völlig. Neulich kam uns auf dem
Weg durch den Park, der von vielen Kindern als Schulweg genutzt wird, ein
kleiner südeuropäischer Bub entgegen, der stehen blieb um Kashka zu bewundern
und zu streicheln. Schließlich hat er mich gefragt, ob das ein Husky sei, was
ich bejaht habe. Er hat dann Kashka kritisch gemustert und gemeint, nein, das könne
kein Husky sein, der habe ja gar keine blauen Augen. Macht nix, hab ich ihm erklärt,
es hätten ja auch nicht alle Menschen blaue Augen. Er hat dann kurz
innegehalten und dann aufgeschaut und völlig überrascht gefragt: “Gibt es
denn Menschen mit blauen Augen?“
Seit fast einem Jahr dürfen wir unser Leben jetzt mit Kashka teilen und
irgendwie kommt es uns vor, als wäre sie schon immer bei uns gewesen. Rückblickend
hat sie sich in dieser Zeit
ziemlich verändert: Natürlich war sie von Anfang an ein begeisternder und
freundlicher Hund, aber eben sehr ruhig und manchmal richtiggehend melancholisch
– natürlich hat sie um ihre Vorbesitzerin getrauert, wo es ihr ganz
offensichtlich sehr gut gegangen war.
Kashka
konnte einem so unendlich traurig lange in die Augen schauen, sie wirkte ein bißchen
zerbrechlich und schutzbedürftig. Wir haben versucht, ihr das Gefühl von
Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln und zu erstreicheln; wir haben sie mit
einer 1,5 stündigen Ausnahme nie alleine gelassen und sie überall mitgenommen.
Das Ergebnis ist eine fröhliche, stolze, selbstbewußte, freundliche, gutmütige,
liebenswerte, mutige und manchmal ein bißchen leichtsinnige Hundedame, die von
allen heiß geliebt und bewundert wird, die sie kennenlernen dürfen. Und dabei
besticht Kashka nicht nur durch ihre besondere Zeichnung ihres glänzenden
Fells, sondern durch ihre tolle Ausstrahlung, ihr Charisma. Kürzlich hat eine
Freundin zu mir gesagt: Toll, wie gut ihr Kashka in euer Leben integriert habt.
Falsch, habe ich geantwortet: Kashka hat uns in ihr Leben integriert.